Rosenheimer Bibel-Ausstellung

Ausstellungsplakat "Gottes Wort" Kostbare Lutherbibeln zeigt das Städtische Museum Rosenheim in einer Ausstellung, die bis 31. Oktober 2017 zu sehen ist. In ihrem Grußwort hob die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler die "kulturelle Hochleistung" des Bibelübersetzers Martin Luther hervor. Denn Luther habe eine allgemeine deutsche Hochsprache geschaffen habe, die überall gesprochen und verstanden worden sei. Diese kulturelle Revolution präge deshalb bis heute jeden einzelnen Deutschen in seiner Sprache.

In der Ausstellung "GottesWort - die Rosenheimer Lutherbibeln" kommt ein kostbarer Schatz ans Licht, der in einer unscheinbaren Pappschachtel im Depot des Städtischen Museums schlummerte. Bei den Recherchen für eine Ausstellung war dem Museumsleiter und Historiker Walter Leicht bereits 2003 durch Zufall eine Rarität in die Hände gefallen: vier gut erhaltene, über 500 Jahre alte Lutherbibeln aus der Anfangszeit der Reformation. "Die Nachforschungen bis heute haben gezeigt, dass wir mit dem Fund eine echte Sensation in Händen halten", erklärte der Museumschef im epd-Gespräch.

Als authentische Zeitzeugen einer Welt voller Umbrüche kommen die wertvollen Drucke im Reformationsjahr zu neuen Ehren: Im Rahmen der Ausstellung "Gottes Wort - Die vier Rosenheimer Lutherbibeln von 1523 bis 1525" sind die reichbebilderten Druckwerke ab 21. Mai erneut zu sehen. Nach öffentlichen Präsentationen in den Jahren 2003 und 2008 gibt jetzt erstmals auch ein Katalog Aufschluss über die zeitgeschichtlichen Bezüge und arbeitet die Bedeutung der Lutherbibeln heraus.

Nicht zu überhören ist die Begeisterung, mit der sich Ausstellungskuratorin Evelyn Frick bei ihrer wissenschaftlichen Recherche auf Spurensuche begeben hat. Frick ist Kunsthistorikerin, Germanistin und Mittelalter-Expertin. "Mit Luthers erster vollständiger Übersetzung des Neuen Testaments aus dem griechischen Urtext und dem Druck von 3000 Buchexemplaren bis September 1522 lag erstmals eine quasi für jeden verständliche, deutsche Übersetzung der Kernschrift für uns Christen vor", betont die Wissenschaftlerin.

Seit der ersten in Deutsch gedruckten "Mentelin Bibel" von 1466 waren oft sperrige Wort-für-Wort-Übersetzungen üblich. Doch Luthers verständliche Sprache, seine bildkräftigen Wortschöpfungen ("Machtwort", "Lockvogel", "Feuertaufe") und aufwendige Illustrationen von Künstlern ließen die teuren Wälzer im Wert eines Monatslohns schnell zu Bestsellern werden. Und das, obwohl nur jeder fünfte Bürger lesen konnte.

Die zwischen 1523 und 1525 gedruckten Rosenheimer Lutherbibeln sind absolute Raritäten, die als Nachdrucke aus der unmittelbaren "Boomphase" nach Luthers Bibelübersetzung stammen. Wenige vergleichbare Exemplare sind in bedeutenden Bibliotheken in München, Dresden, Nürnberg, Wien oder Wolfenbüttel erhalten. Johann Knoblouch in Straßburg und Adam Petri in Basel druckten das Neue und Alte Testament als reich illustrierte Raubdrucke nach, kaum dass in Wittenberg die Erstausgaben der Lutherübersetzung erschienen waren. Der erst 70 Jahre vorher erfundene Buchdruck machte die schnell verbreiteten Schriften zur Massenware.

Die aus zerkochten Lumpen hergestellten Druckbögen der Rosenheimer Lutherbibeln sind in einem bemerkenswert guten Zustand. "Soweit wir das nachverfolgen können, waren die Werke ausschließlich in Privatbesitz", sagt Museumsleiter Leicht. Nach verschiedenen Vorbesitzern sind die Werke mit neuem Einband erstmals 1796 in der Hand eines Pfarrers und Bibelsammlers aus Öttingen vereint. Nach Rosenheim gelangten die Raritäten über den bibliophilen Arzt Anton Bichlmayr. Der vermachte die Bände anno 1900 dem fünf Jahre vorher gegründeten Städtischen Museum.

Die Ausstellung wird begleitet durch Schautafeln zur Rosenheimer Reformationsgeschichte; die Begrüßung übernimmt ein überdimensionaler Playmobil-Luther. Der Fokus liegt jedoch auf den vier neu gereinigten Lutherbibeln: Sie sind die Hauptattraktion der Rosenheimer Ausstellung.