Blick ins Atelier: Ekkeland Götze

Ekkeland Götze sammelt Erde aus der ganzen Welt

Atelierbesuch bei Ekkeland Götze

Draußen ist es schon dunkel, als wir uns im Atelier von Ekkeland Götze in Untersendling treffen, aber drinnen ist das weiträumige Atelier mit dem von bunten Farbklecksen garnierten Holzboden hell erleuchtet. Von der Decke hängen die Erdbilder des Künstlers an einer langen Holzschiene, die sich über einen Großteil der Atelierdecke hinzieht. Auch an den weißen Wänden hängen seine Bilder, nebeneinander, untereinander, manchmal unterbrochen von Fotografien. Aber immer in einer konzeptionellen Anordnung: Himmelsrichtungen, Fundstellen. Nichts ist dem Zufall überlassen.

In den Regalen stehen Farbtöpfe, liegen Stapel von Leinwänden und Werkzeuge. Es gibt eine Küchenecke mit vielen kleinen Tontöpfen, die Gewürze enthalten und einen durch eine Glastür abgetrennten Arbeitsraum mit Bildschirmen und Leitz Ordnern, die Büro-Atmosphäre verströmen.

Die Erde, die für die Arbeit des Künstlers essentiell ist, seine schöpferische Basis bildet, ist in vier gleichgroßen blau-durchsichtigen Plastiktüten unter einem großen Tisch verstaut.

Wenn Ekkeland Götze von seinen Reisen erzählt, bleibt er ständig in Bewegung. Die weißen Haare und der Schnurrbart, der sächsische Akzent verleihen dem Künstler in der bayerischen Landeshauptstadt einen exotischen Touch.

865 Fundstellen hat Ekkeland Götze schon bereist. Die Erde, die er verwendet, kommt nicht einfach von irgendwo her. „Meine Emotionen liegen in der Suche nach dem Ort“, erzählt er uns. „Das Bild entsteht dann unabhängig von jeder Befindlichkeit“ fügt er hinzu. Jede Reise wird akribisch vorbereitet, denn jedes Projekt muss künstlerisch absolut stimmig sein.

Atelierbesuch bei Ekkeland GötzeAtelierbesuch bei Ekkeland GötzeAtelierbesuch bei Ekkeland Götze

Gerade kommt Götze aus den USA zurück, von einem Besuch bei den Sioux in South Dakota. Um Erde von den heiligen Orten der Sioux für seine Bilder verwenden zu dürfen, musste Götze an verschiedenen Ritualen teilnehmen. Zum Beispiel in die Schwitzhütte gehen. „Stockdunkel und heiß war es darin“, erinnert er sich. „Jeder spricht dort seine Sorgen aus und man hört die Frauen weinen, manchmal auch die Männer“. In dem Reservat gibt es eine hohe Selbstmordrate unter den jungen Einwohnern - vor kurzem erst ist wieder ein junger Mensch gestorben.

Jeder Ort hat seine Erde - und seine Geschichte. Für den Künstler hat die Erde eine eigene Seele, die er zum Bestandteil seiner Bilder werden lässt. Für seine Bilder braucht er fruchtbare Erde, „fertiles Material“.

Für die Verarbeitung der Erde zu seinen Bildern hat Götze ein eigenes Verfahren entwickelt, dass er Terragrafie nennt. Die Erde wird gemahlen und mit einem Bindemittel vermischt, bevor sie in einer Art Siebdruck auf den Träger gebracht wird. Die roten, braunen, gelben, beigen und orangenen Farben, die auf seinen Bildern sichtbar sind, sind alle echt, nichts ist an den Farbtönen manipuliert.

Fügt er erstmal das Bindemittel hinzu, muss er innerhalb von vier Wochen die Erde verarbeiten. Sonst ist sie nicht mehr zu gebrauchen. Er weiß von jedem Bild wo die Erde herkommt und er gibt jedem Bild einen Titel.

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Text und Foto: Pia Jaeger