Otto Wesendonck

Atelierbesuch Wesendonck in
München // Waakirchen

Die Skulpturen von Otto Wesendonck sind fest mit ihrer Umgebung verbunden. Sie spielen zusammen mit Wind, Wasser oder Licht. Sie stehen in der Natur, auf Wiesen oder im Wasser, aber auch an öffentlichen Plätzen. Der Künstler erschafft alle seine Werke „von der ersten Idee bis zu ihrer Vollendung“ eigenhändig. Dafür hat er sich im oberbayerischen Waakirchen eine Werkstatt für Kunstguss eingerichtet. Dort treffen wir Otto Wesendonck und sprechen mit ihm über seine einzigartige Arbeitsweise.

www.wesendonck.de

Dienstag, 20. September 2016, 18 Uhr
Am Angerbach 6, 83666 Waakirchen

Rückblick: Atelierbesuch Otto Wesendonck


Philosophie

Große Bildkunst lehrt uns, mit den Augen zu denken. Sie kann uns mit ihren gestalterischen Kräften inspirieren und unser Leben mit Licht und Schatten, aber auch mit Lust erfüllen. Solche Antriebe brauche ich; denn Bildhauerei, wie ich sie mache, ist schwere Arbeit. Ich lasse nicht Bronze gießen- ich gieße Bronze bei 1200 Grad selber. Ich lasse nicht Edelstahl schweißen- ich schweiße tonnenschweren Edelstahl selber. Der ganze Entstehungsprozess – von der ersten Idee bis zu ihrer Vollendung bleibt in meiner Hand und vollzieht sich ungebrochen in meinem Atelier, in meiner Gieß-und Schweiß- und Ziselierwerkstatt. Bei der Umsetzung vom Modell ins große Format entwickle ich meinen Entwurf weiter, ich lasse ergänzende Ideen in die Plastik einfließen, arbeite den Charakter stärker heraus und optimiere die Proportionen und die Durcharbeitung der endgültigen Form. Sie muss eine klare Aussage haben, meine Arbeitsspuren tragen, Lebendigkeit und Kraft ausstrahlen und über sich hinaus weisen. Meine bildhauerische Arbeit entsteht aus meiner Leidenschaft zum lebensvollen Raum. Ich forme Abläufe und Entladungen von plastischen Energien und gieße und baue sie in rhythmischer Gestalt. Bronze und Edelstahl bilde ich so zu Trägern von Licht und Schatten, Bewegung und Zeit aus dem Bedürfnis, der Zeit einen Leib, ein Maß, einen Körper zum Anfassen und Begreifen zu geben – anders als in der Musik, aber wohl aus ähnlichen Beweggründen.

-Otto Wesendonck


Biographie

1939 geboren in Dinslaken am Niederrhein

1957-60 Folkwangschule für Gestaltung in Essen-Werden.

1960-67 Studium der Bildhauerei an der Hochschule der Künste in Berlin bei Bernhard Heiliger als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes und Meisterschüler.

1968-69 Erwerb und Umbau eines alten Bauernhofes zu Atelier und Werkstätten in Waakirchen in Oberbayern. Heirat mit Ragnvi, geborene Mietens.

1970 Beginn einer Serie von Bronze-, Aluminium- und Edelstahlplastiken in monumentalen Größen

1980-81 Einrichtung einer Werkstatt für experimentellen Kunstguss.

1995 Aufnahme ins Reclams Künstler Lexikon

1999 „Großer Kulturpreis der Sparkassenstiftung zur Förderung rheinischen Kulturgutes“