Maler & Sounddesigner: Sebastian Tröger

  • Posted on: 19 October 2016
  • By: CME

Sebastian Tröger

 

 

 "In künstlerischen Arbeiten spiegelt sich der Grundcharakter eines Menschen wider", sagt Sebastian Tröger. Der Maler, Zeichner und Sounddesigner wird 2016 mit dem Kunstpreis der Stadt Nürnberg ausgezeichnet. Sein Charakter? Auf jeden Fall geprägt von Witz – „… denn ohne Humor geht es gar nicht."

Sebastian Tröger steht ruhig und entspannt in seinem Atelier. Wenn er über seine Kunst spricht, dann ist der gesamte Körper in Bewegung. Die Arme gestikulieren, die Füße wippen auf und ab, die Hände arbeiten in der Luft. Der Maler ist aus seiner Heimatstadt Nürnberg nie herausgekommen. Das vermisst er gelentlich. Doch den fränkischen Jungen zog es nie in die große weite Welt. Bis auf ein Studienjahr in Karlsruhe blieb er dem Nürnberger Land treu und studierte dort an der Akademie der Bildenden Künste. Schon als Kind wusste Tröger, dass er etwas mit Kunst machen wollte und verfolgte seinen Weg zielstrebig. 2014 schloss er sein Studium als Meisterschüler von Michael Munding ab. Natürlich habe er an den Werdegängen seiner Schulfreunde gesehen, dass Geld auch leichter zu verdienen sei. „Aber es gibt diesen Drang in einem, der einen zwingt, weiterzumachen“, erklärt Tröger.

Tröger arbeitet an großformatigen Gemälden. Wenn er die Pinsel in der Hand schwingt, arbeitet er schnell und intuitiv. Oft malt er mehrere Schichten übereinander. Stand am ersten Tag noch eine hellblaue Wolkenlandschaft auf der Leinwand, kann es durchaus passieren, dass Tröger das Gemälde am nächsten Tag mit düsteren Acrylfarben übermalt.

Die Inspiration für seine Bilder und Werke findet er im Alltag. Bilder ohne Titel gibt es nicht für Tröger, im Gegenteil: Der Titel spielt eine wichtige Rolle. Manchmal schwebt ihm ein Titel im Kopf herum, den er nicht mehr los wird, und der ihn zwingt, sich hinzusetzen und zu zeichnen. Anderntags denkt Tröger Stunden oder auch Tage darüber nach, wie ein Gemälde heißen soll. Oft entsteht durch den Gegensatz von Titel und Inhalt eine humorvolle, leicht ironische Stimmung.

Die Schutzheiligen der Kunst von Sebastian Tröger

Glaube ja, Kirche naja...

Zahlreiche Werke von Sebastian Tröger spielen mit christlichen Symbolen. Die Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben und der Institution Kirche ist für den Maler selbstverständlich - schließlich "ist die westeuropäische Bildwelt von christlicher Ikonografie doch sehr geprägt", sagt Tröger. „Mit der Institution Kirche habe ich allerdings weniger am Hut“, gesteht der Künstler. Doch empfindet er es als "gesund", sich kritisch, aber nicht negativ an Glaube, Religion und Christentum heranzuwagen.

Auch das Schreiben über die Kunst ist ihm wichtig. Dabei lernt er genauso wie in seiner Funktion als Lehrer für Medienkunst Sound an der Akademie der Bildenden Künste sich selbst zu hinterfragen und sein Denken zu ändern. Letztlich helfe das Schreiben auch bei der Vermarktung. Denn eins ist für ihn sicher: Auch in zehn Jahren möchte Tröger noch von der Kunst leben können, zumindest in diesem Bereich arbeiten. Deshalb sind ihm Auszeichnungen wie der Kunstpreis der Stadt Nürnberg wichtig. „Es liest sich gut in der Vita - und es ist schön, wertgeschätzt zu werden.“

Die großen Hände in die Hosentaschen geschoben, steht Tröger nun wieder wie ein Baum in seinem Atelier. Und es ist eben diese Mischung aus Standfestigkeit und Freiheit, die das Werk des Künstlers prägen. Tröger fürchtet sich nicht davor, altbekannte Strukturen und Traditionen aufzugreifen. Aber ebenso mutig ergänzt, verfremdet, erweitert er diese Bildsymbole und Inhalte.

Die Gemälde erheitern, erhellen und sind nicht von Konventionen geleitet. Oder wie der Kurator Christoph Tannert den Künstler beschreibt: „Sebastian Tröger ist ein wissender und heiter agierender, Provokation nicht ausschließender Künstler, der daran interessiert ist, zu überraschen und überkommene Wertmaßstäbe zu brechen, um über eine gesteigerte Aufmerksamkeit für das Banale, Niedrige und letztendlich Ausgestoßene und Fremde zu tieferer Wahrheit zu finden.“

Text: Cathrin Clemens, EPV