Martin Schmidt: Kunst aus dem Alltag

  • Posted on: 17 November 2016
  • By: Cathrin Clemens

Der Bildhauer und Künstler Martin SchmidtFür seine Abschlussarbeit hat der Künstler Martin Schmidt an der Akademie der Bildenden Künste in München einen der drei Preise für die besten Diplome des Jahres bekommen. Dabei ist ihm die Kunst mehr oder weniger zugeflogen; ursprünglich wollte er Restaurator werden.

Martin Schmidt mag einen deutschen Allerweltsnamen haben. Doch wenn er über seine Arbeit spricht, so offenbart sich ein ungewöhnlich vielseitiger Künstler, der sich nur schwer in irgendeine Schublade schieben lässt. Der Bildhauer, Maler, Performance-Künstler und Handwerker hat sein Atelier in den whiteBox.ateliers in der Atelierstraße am Ostbahnhof. Er teilt sich dort einen hellen, großen Raum mit seinen Künstlerkollegen Christian Engelmann und Beate Engl.

Viel Platz benötigt Schmidt nicht für seine Arbeiten. Denn seine Kunstwerke sind oft temporäre Arbeiten - und dann bleibt am Ende nur eine Fotografie übrig zur Dokumentation – das spart Lagerraum. Sein bekannter „Schrebergarten“ (1994) auf dem Effnerplatz in München ist heute noch in aller Munde, aber existiert eben nur noch auf Fotopapier. Und schon in diesem frühen Werk wird die Idee hinter seiner Kunst deutlich: Schmidt orientiert sich am Alltäglichen, arbeitet mit banalen Bildern und schafft trotzdem eine Irritation: "Jeder fragt sich, 'was soll denn das, ein Schrebergarten zwischen dem hektischen Straßenverkehr? So wird das Selbstverständliche zu Kunst und regt den Betrachter zum Nachdenken an", erläutert er.

Dabei gab es nie einen konkreten Plan, Künstler zu werden. Nach seiner Gesellenprüfung an der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer und Schnitzer in Oberammergau wurde Schmidt „überraschenderweise“ an der Akademie der Bildenden Künste angenommen. Dort zeichnete und modellierte er viele Semester Aktfiguren - bis ein Professor ihm ermöglichte, experimentell zu arbeiten. Andernfalls hätte er sein Studium womöglich abgebrochen. Dann kam eins zum andern: Projektförderstipendien, eine Tätigkeit als Assistenz bei Professor Olaf Metzel, Auslandsaufenthalte in der Villa Romana in Florenz und in der Villa Massimo in Rom.

Raketen, Kirchen und Bleistifte

„Mir ist es nicht wichtig, dass mich die Menschen kennen“, sagt Schmidt. Aber er ist auch nicht menschenscheu. Er redet viel und gerne über seine Werke. Die Skulptur „START“, die er für die Münchner Mittelschule an der Elisabeth-Kohn-Straße entworfen hat, lädt besonders zum Gespräch ein. Die 28 Meter hohe Stahlkonstruktion spannt einen Bogen zwischen Innen- und Außenraum des Schulgebäudes und bildet damit die Flugbahn einer ausbrechenden Feuerwerksrakete. Um die großen Stahlelemente vor Ort zu bringen, mussten die Straßen gesperrt und riesige Kräne aufgebaut werden. Der Bogen kommt bei den Schülern gut an - er erinnert sie daran, dass ihr Weg aus der Schule herausführt in eine Selbständigkeit und Unabhängigkeit.

Martin Schmidt greift aber auch gerne selbst zum Spaten. Wie für seine 17 Meter lange Ausgrabung in Form einer Kirche. „Urkirche“ heißt das Werk und ist im Auftrag der Diakonie Rummelsberg im Jahr 2014 in Schwarzenbruck entstanden. Sie ist sogar auf Google Earth sichtbar. „Wenn Besucher die Urkirche als sakralen Ort empfinden, ist das großartig“, sagt Schmidt. Er selbst habe jedoch keine spirituellen Empfindungen am Ort seines Werks - "das war harte Arbeit".

Auch bei seinen Zeichnungen ist Schmidt ein Mann, der gerne im Großformat arbeitet. Sein liebstes Werkzeug ist der Bleistift B8. In mühevoller Geduldsarbeit malt er tiefschwarze Flächen, die geometrische Formen auf das weiße Blatt Papier zaubern, oder filigrane Striche, die Gegenstände realitätsnah abbilden. Gerade hat er eine Reihe kleiner Zeichnungen geschaffen - für den kleineren Geldbeutel.

Martin Schmidt ist kaum einzuordnen. Er ist ohnehin niemand, der ständig mit dem gleichen Material arbeitet oder sich auf ein Thema beschränkt. Schmidt ist ein Künstler, der experimentiert, der überrascht und der am Ende mit gebührendem Sarkasmus darüber lacht.

Martin Schmidt Zeichnungen

Text/Bild: Cathrin Clemens