Albrecht Dürer als Zeitzeuge der Reformation

Albrecht Dürer als Zeitzeuge der Reformation

Als Beitrag zur Luther-Dekade zeigt das Nürnberger Albrecht-Dürer-Haus die Sonderausstellung "Neuer Geist und neuer Glaube. Albrecht Dürer als Zeitzeuge der Reformation" ab 30. Juni bis 4. Oktober 2017. Obwohl der Ausnahmekünstler Dürer immer wieder auch als Protagonist der Reformation gedeutet wird: Der Leiter des Dürer-Hauses und Ausstellungsmacher Thomas Schauerte sagte am Donnerstag in Nürnberg, es gebe seit Luthers Thesenanschlag im Jahr 1517 kein Dürer-Werk "mit eindeutigem Reformationsbezug".

Dürer war "bei seinen Kunstwerken relativ vorsichtig" und habe sich nie eindeutig positioniert, sagte Schauerte. Dürers letzte Kupferstiche aus dem Jahr 1526 zeigen zwei sehr unterschiedliche Männer. Zum einen den humanistischen Luther-Gegner Erasmus von Rotterdam, zum anderen den Reformator und Dürer-Freund Philipp Melanchthon. Das sei "nicht unbedingt ein bildlicher Kommentar zur großen Epochenwende". Dürer, auch Mitglied des Großen Rates Nürnbergs, "verhält sich nach außen bedeckt", bilanziert Schauerte.

Er illustriert seine Einschätzung an Dürers Federzeichnung "Das letzte Abendmahl" von 1523. Sie ist die wertvollste Leihgabe der Ausstellung und kommt aus der Wiener Albertina. Auf dem fast leeren Tisch ist links ein Kelch zu sehen, auch Christus sitzt nicht in der Mitte, sondern links. Der Kelch "könnte ein untrügliches Zeichen für den Laienkelch" sein, also die protestantische Forderung, die ganze Gemeinde auch am Wein teilhaben zu lassen. Tatsächlich finden sich Christus-Anordnung und Kelch aber auch schon in Werken aus der Zeit vor der Reformation.

Fotonachweis: Albrecht-Dürer-Museum Nürnberg